Heilen mit Trance
Durch die Hypnosetherapie können vor allem psychosomatische Krankheiten gemildert werden
Hypnose ist ein Jahrtausende altes Phänomen und hat nichts mit der Aufmerksamkeit heischenden Show-Hypnose zu tun. Es gibt nur wenige Hypnosetherapeuten, die sich auf dem Gebiet sehr gut auskennen. Hinter der Hypnose steckt eine der ältesten Heilmethoden, die bei Ängsten, Depressionen oder zur Schmerzlinderung angewendet wird. Sogar Operationen können unter Hypnose ohne Schmerzen und ohne Vollnarkose ausgeübt werden. Ein Mensch, der hypnotisiert wird, sieht wie ein Schlafender aus und spricht in diesem Zustand stockend und leise. Die Atemfrequenz und die Herzschlagrate sinken. In der rechten Hirnhälfte treten mehr Alphawellen auf. Das ist typisch für Entspannungszustände. Patienten fühlen den Körper anders. Viele sind überrascht, wie lebendig sie Situationen aus der Kindheit nacherleben. Sie fühlen sich meist wie kurz vor dem Einschlafen. Im Gegensatz zum Schlaf erinnern sich Hypnotisierte in der Regel an alles, was sie in der Hypnose erlebt haben. Mit einer Ausnahme. Wenn posthypnotisch suggeriert wurde, alles zu vergessen, so kann eine Amnesie auftreten. Der Hypnosetherapeut kann diese temporäre Amnesie jedoch rückgängig machen.
Damit stellt sich die Frage nach der „Macht“ des Hypnotiseurs, der einen im schlimmsten Fall zu einer kriminellen Handlung bringen kann? Das Vertrauen zu dem Hypnosetherapeuten ist für ein Gelingen unerlässlich. Auch die Bereitschaft, sich hypnotisieren zu lassen, sollte vorhanden sein. Es gibt Fälle, wo Menschen gewalttätig wurden und der Hypnose die Schuld gaben. Die Hypnoseforschung geht davon aus, dass die Hypnose alleine nicht zu Gewalt führt. Dadurch werden Menschen nicht zu willenlosen Hüllen. Und es gibt umgekehrt die Möglichkeit, in Hypnose Zeugen zu Verbrechen zu befragen. Das wurde experimentell untersucht. In Hypnose erinnern sich die Personen an mehr Einzelheiten. Allerdings ist Vorsicht bei Suggestivfragen geboten (Wie schnell fuhr die rothaarige Frau am Steuer?). Sie ist kein Garant für den Wahrheitsgehalt. Im schlimmsten Fall werden unschuldige Personen belastet.
Der eigentliche Sinn der Hypnosetherapie ist es, Migräne, Depressionen, Magengeschwüre oder Ängste zu lindern. Auch bei Warzen, Krebs, Süchten, Neurodermitis, Schlafstörungen und Impotenz kann sie eingesetzt werden. In der Hypnose wird der Stresspegel auf der körperlichen Ebene gesenkt. Das ist messbar. Der Patient soll bei Leiden, die psychosomatischer Natur sind, kritische Situationen noch einmal erleben, indem er auf sie mit körperlicher Schnellentspannung reagiert. Die Vorstellungen wie Segeln auf dem Meer werden zuvor mit dem Patienten abgesprochen. Ergänzt wird die Therapie durch zusätzliche Selbsthypnose zu Hause von täglich 30 Minuten und Schnellentspannungen.
Aus den USA ist bekannt, dass Krebspatienten, die mit Hypnose behandelt werden, länger leben. Es wird vermutet, dass dadurch das Immunsystem gestärkt wird. Die psychischen Probleme bei Krebs wie Schmerzen und Ängste können durch Hypnose positiv beeinflusst werden. Auch traumatisierte Menschen können in Begleitung eines Hypnosetherapeuten ihre Panikanfälle mildern. Voraussetzung ist Vertrauen und keine Vorurteile gegenüber der Behandlung. Denn manche Menschen denken, dass sie nicht mehr aufwachen oder ewig in Trance bleiben. Da nur wenige Experten auf dem Gebiet sind, gilt es den Therapeuten mit Bedacht auszuwählen.
© Corinna S. Heyn